Montag, 6. August 2012

Endlos schleppt sich mein Leben dahin..

.. Eine gleichmäßig graue Ebene so weit das Auge reicht. Ab und zu ziehen sich tiefe Furchen aus Angst, Verzweiflung wie auch Schmerzen hindurch. Ich weiß nicht mehr ob ich vorwärts oder rückwärts gehe, kann nicht feststellen ob ich mich überhaupt bewege. Meine Augen sind, wie auch meine übrigen Sinne, schon vor langer Zeit erblindet. Ich versuche mich voran zu tasten, spüre aber nichts. Horche, doch da ist nichts. Manchmal halte ich inne um zu weinen, doch da sind keine Tränen, nicht eine einzelne. Alle verebbt. Und mit ihnen jegliche Form der Emotion. Nicht einmal mehr ein Schatten ist von mir übrig geblieben. Ich bin nichts mehr, weniger als nichts.

Sonntag, 5. August 2012

30 Day Self Harm Challenge #10


Ihr Körper ist eine Wunde, der Schmerz noch nicht verdaut. Jede Berührung brennt wie Feuer auf ihrer nackten Haut. - Janus

#10 How do you feel about your scars?


Es ist eine Hass-Liebe. Ich gehe unter den angeekelten Blicken ein, fühle mich unter Menschen immer weniger wohl, fühle mich, als würden alle starren. Es macht es mir nahezu unmöglich  körperlichen Kontakt zu einer Person aufzubauen, habe Angst davor, dass jemand meinen entstellten Körper berühren muss. Ich fürchte die Reaktionen.
Gleichzeitig sind sie das einzige reale. Das Blut war der letzte Beweis, an dem ich noch erkennen konnte, dass ich am leben bin. Am Leben, das ich eigentlich so gerne verschenken würde. Ich sterbe hier, langsam und grausam. Ich habe keine Ahnung mehr wie es ist, einfach glücklich zu sein, ich  versuche hier mit Fröhlichkeit - 50 mg pro Tag - zu überleben. Das ist nicht, was ich will. Lieber verrecke ich. So schnell wie möglich. Ich bete jeden Abend, nicht mehr aufwachen zu müssen. Aber niemand erhört mich.

Samstag, 4. August 2012

30 Day Self Harm Challenge #9

Everyone is sleeping while she remains awake and leaves reminders on her body of how much she hates herself.


#9 Have you ever taken pictures of your wounds? Discuss.


Ja, habe ich. Genau weiß ich nicht wieso, wohl einfach um die Erinnerung fest zu halten. Seitdem die Depression so undurchdringlich geworden ist, fällt es mir immer schwerer, Dinge im Gedächtnis zu behalten. Oft kann ich nicht einmal den gestrigen Tag klar im Kopf behalten. Es ist als würde die Trauer meine Erinnerungen verschlucken.
Die Bilder reichen sehr weit zurück, nahe den ersten Versuchen, die mir wie eine Ewigkeit her erscheinen. Es ist leicht zu erkennen wie sich aus Kratzern langsam Schnitte entwickelt haben. Jahre ging es mit oberflächlichem Schmerz dahin, bis dann irgendwann meine ganze Welt zusammen brach. Ich hatte keine Persönlichkeit mehr, keinen Halt und keinen Sinn. Das war der Anfang des Endes. Die Wunden wurden klaffend, Dutzende Krankenhausbesuche, die ersten Besuche von Ana und nach einiger Zeit auch Mia. Es ist erstaunlich wie lange es sich harmlos dahingeschleppt hatte, bis es nach so langer Zeit eskalierte.

Freitag, 3. August 2012

Als würden tausend Messer auf mich einstechen.

Es tut mir weh, es nimmt mir den Atem. Ich will schreien, aber ich bringe nicht den leisesten Laut hervor. Ich will weg, weg von euch, euren viel zu kritischen, durchbohrenden Blicken, den Regeln, denen ich nie gewachsen war.
Ich leide darunter wie unter einer grausamen Krankheit. Ich sehe all die makellosen Gesichter, die perfekten Körper und das Strahlen ihrer Selbstsicherheit. Wie Donner grollt der Schmerz an mich heran, die Zweifel fressen sich tiefer.
Sieh dich an, wie wunderschön du bist. Ich stehe in deinem Schatten und ich sage dir, es ist dort so kalt und einsam. Du hast so oft erzählt wie schwer du es hast aber hast du einmal an mich gedacht? Liebes, ich habe dich wirklich gemocht, wollte einfach für dich da sein, dass es dir besser geht. Wieso tut es mir so weh zu sehen, wie wunderschön du bist? Wieso zerschmettert es mein Herz in unzählige Splitter erkennen zu müssen, wer dich aller liebt, wie umrundet du von Massen an Menschen bist, die sich kümmern - wirklich kümmern?
Wohl weil ich einstweilen hier alleine sitze. Ich bin so einsam, fühle mich so verloren, ungewollt. Niemand dem ich mich anvertrauen kann. Sie sind alle bei dir, meine vor gar nicht all zu langer Zeit noch engsten Seelen. Keiner von euch denkt mehr an mich, wieso auch? Ich zeige mich nicht mehr, habe mich verkrochen so weit ich konnte, die Hände schützend vor meinem Kopf verschränkt.

Meine Blüten sind vergangen und mit ihnen auch all das Leben in mir. Und ohne Schönheit, ohne Selbstvertrauen und Präsenz? Niemand interessiert sich mehr für eine hässliche, vergangene Seele. Niemand.

Donnerstag, 2. August 2012

30 Day Self Harm Challenge #8

#8 What is the most supportive thing anyone has ever said to you about self harm?


Das ist für mich wirklich nicht leicht zu beantworten, da ich ein Mensch bin, der sich meist aus Verbalem nur Negatives herauspickt. Nicht absichtlich, ich bin habe zu große Angst davor, ich würde ansonsten vor Naivität verschleierte Augen haben und dann noch mehr verletzt werden.
Aber was mich am meisten unterstützt hat, war die Umarmung eines ehemaligen Freundes. Einerseits, da es für mich etwas Besonderes war, derartige Nähe von jemandem dulden zu können - ja, sie sogar zu genießen - sondern vor allem, weil er der einzige war, bei dem ich mich geborgen und beschützt gefühlt hatte. Seine Nähe tat mir so gut, zog sich wie eine Kuppel purer Freude über mich. Und doch rebellierte das Dunkle in mir schon nach so kurzer Zeit und machte es mir unmöglich, weiter bei ihm zu sein. Es ist, als hafte ein grauenhafter Fluch an mir.

Mittwoch, 1. August 2012

30 Day Self Harm Challenge #7

Der Andersdenkende ist kein Idiot, er hat sich eben eine andere Wirklichkeit konstruiert. - Paul Watzlawick

#7 List 10 activities that help you calm down.

1. Schreiben
Es gibt wohl nicht viel in dem ich meine Emotionen so gut ausdrücken kann wie hierin. Es ist so unverbindlich und weit weg von Stereotypen, gut wie auch schlecht. Es gehört mir allein.
2. Schneiden
Trotz all der Zeit ist es im Notfall noch immer eine der besten wenn auch weniger angewandten Methoden. Blut ist einfach ein sehr treuer Begleiter, ich hoffe darauf, dass auch ich mich irgendwann von ihm lösen kann.
3. In der Nähe eines Tieres sein
Bis jetzt habe ich nichts gefunden, das solche Wunder wirkt, mich so beruhigt, in mich gehen lässt. Das gleichmäßige Atmen eines Hundes, das sanfte Stupsen eines Pferdes. Nichts wirkt vergleichbare Wunder.
4. Ins Freie gehen, einfach atmen
Vor allem kühle Nachtluft liebe ich. Das reine Kalt, das meine Lungen füllt gibt mir das Gefühl eines gewissen Neuanfangs, einer Wiedergeburt.
5. Zeichnen
Es begleitet mich schon so lange und trotz stätigem Auf und Ab ist die Leidenschaft doch nie verschwunden. Auch wenn es mir hier um einiges schwerer fällt, Emotion einzufangen, so werde ich mit der Übung doch immer besser darin.
6. Lesen
Allein der Geruch von bedrucktem, gebundenen Papier lässt mein Herz ruhiger schlagen. Es macht mich schläfrig und ausgeglichen.
7. Denken
Die Form, die sich um einiges von meinem inneren Teufelskreis unterscheidet. Es ist das Abtauchen in eine vollkommen andere Welt, die mir ermöglicht, wenigstens dann und wann, vor dem erdrückenden  Alltag zu flüchten.
8. Beobachten
Ich liebe es, Dingen zuzusehen. Vor allem meinen Schnecken. Kein Wunder, dass mit ihnen unglaubliche Erfolge bei ADHS Menschen erzielt werden, ihre friedliche Art ist so wunderschön anzusehen, ich hänge oft für Stunden vor meinen Terrarien. Die Einfachheit, die sich in ihrer Existenz spiegelt, hat eine wahnsinnige Anziehung auf mich.
9. Kochen
Auch wenn es oft ein Auslöser für Aggression wie Depression ist, so liebe ich es doch. Etwas zu tun, tut mir sehr sehr gut. Es hilft mir dabei, nicht mehr so viel zu denken.
10. Bewegung
Es tut mir sehr gut, mich zu bewegen. Auch wenn ich momentan andere Wege vorziehe, habe ich früher sehr gute Erfahrung damit gemacht, laufen zu gehen.

Zu guter Letzt möchte ich noch sagen, dass ich in meinen schlimmsten Phasen jegliche Musik regelrecht aus meinem Leben verbannt habe. Nicht einmal mehr Radio. Es ist mein aller größter Trigger-Faktor und ich rate es wirklich jedem, auch wenn es sehr schwer ist, es zu versuchen. Es ist wirklich unglaublich, vertraut mir.