Dienstag, 31. Juli 2012

30 Day Self Harm Challenge #6

The real hell is inside a person. - Enma Ai

#6 What about it do you enjoy?


Ich liebe den Moment, in welchem ich wieder meine Augen öffne und den ersten Blick auf die klaffende Wunde werfe. Der Augenblick, in dem mein Körper noch voll Überraschung den Atem anhält und mir sauber durchtrennte Venen, Fasern, Muskeln entgegen glotzen. Mir wird übel, meine Hände beginnen zu zittern. Einen einzigen Lidschlag braucht es, bis das erste Rot hervor tritt. Wabern. Pulsierend. In dicken, dunklen Bächen kriecht es an meinem Arm herab. Ich presse ein Taschentuch darauf und verfolge gebannt wie das Blut strahlend rote Blüten durch das Weiß zieht.
Es ist ein Augenblick, in dem es mir möglich ist, wieder vollkommen in meine Welt abzutauchen, mich zu spüren, Kontrolle zu haben.
Genauso liebe ich es, die offenen Wunden versteckt unter Stoff bei mir zu haben und immer, wenn mir etwas zu viel wird, sie heimlich gegen die Kante von Tischen drücken, darauf zu stechen, schlagen, zu können. Es ist der kleine Plan B, den ich jederzeit aus der Tasche holen kann, sollte ich in Panik geraten, alles zu viel werden.

Montag, 30. Juli 2012

30 Day Self Harm Callenge #5

#5 What part of self harm do you dislike the most?


Am meisten.. Es gibt viele Aspekte die ich wirklich verabscheue. Am meisten wird es wohl sein, dass mir meine Eltern misstrauen. Ich brauche mich nur zum Duschen ins Bad sperren und sie stehen sobald sie es realisiert haben schon an der Tür und schreien nach mir, versuch das Schloss aufzubrechen, verfallen in Panik. Ich habe ihnen am aller meisten Leid zugefügt und das werde ich mir niemals verzeihen.
Gleich danach folgt wohl, das ich meinen Körper verdecken muss, um eine neutrale Einschätzung meines Wesens zu bekommen. Ich wurde aufgrund meiner Umstände schon ausgeschlossen, abgelehnt, von Lehrkräften besser wie auch schlechter benotet. Das ist etwas, das ich nicht tolerieren kann und will. Ich will für Positives wie auch Negatives selbst verantwortlich sein, es steuern, nicht einfach einen Stempel auf die Stirn gepresst bekommen.

Sonntag, 29. Juli 2012

30 Day Selfharm Challenge #4

Ich wollte nicht mehr leben, was nicht dasselbe ist, wie sterben zu wollen. Denn wenn du sterben willst, hast du wenigstens ein Ziel, wenn du nicht mehr leben willst, bleibt nur noch Leere. - Marylin Manson

#4 Do you consider yourself as "addicted"? Why or why not?


Abhängig. Süchtig. Ja das war ich sicher für sehr sehr lange Zeit. Auch jetzt ist es noch sehr schwer hiermit umzugehen, aber die Schlinge, die es um meinen Hals gezogen hat, ist um einiges lockerer. Trotzdem konnte ich sie noch immer nicht abschütteln, jederzeit könnte sie sich wieder zu ziehen und mir die Luft nehmen.
Ich habe es hier, in einer Tasche direkt über meinem Herze. Wisst ihr, ich hatte meine Klinge immer bei mir, in der Schule, wenn ich etwas mit Freunden unternahm, auf Festivals - sogar vor dem Weihnachtsbaum war sie von meiner verkrampften Hand umschlossen.
Sie ist das, was ich in Menschen noch nicht gefunden habe. Sie ist hier, statt einer Person, mit der ich endlich einmal offen reden kann, ohne als nach Aufmerksamkeit geifernd oder von Selbstmitleid zerfressen dargestellt werde. Jemand, der mich nicht damit unterbricht, dass ich kein Recht hätte, mich zu beschweren, da es ihm doch noch viel miserabler ginge.
Das dunkle, dicke Blut quillt aus meinem Arm, weil niemand da ist um mich zu umarmen, niemand der einfach nur meine Hand hält, in die Augen sieht und sagt, er würde mich mögen, schätzen, respektieren. Dass er Wohlgefallen an meinem Humor hat, daran wie mich ausdrücke, an meiner Art, die sich um so endlose Meilen von all den anderen unterscheidet. Dass er mich mag, weil ich der Mensch bin, der ich bin.
Und bis nicht so jemand hier ist, muss die kalte Schneide mein einziger Vertrauter bleiben. Diejenige, die die Sätze lesen kann, die in meinen Körper geschnitzt sind wie in ein altes, verwittertes Buch. Oft in die Hand genommen, jedoch genauso oft wieder achtlos aus mangelnder Interesse wie auch Willen, schwerere Literatur als die billigen Zeilen auf all den Klon-ähnlichen Mädchen dort draußen, zu lesen. Und vor allem - zu verstehen.

Samstag, 28. Juli 2012

30 Day Self Harm Challenge #3

Most People cut themselfes, they put a bandage on and they keep going. And I - I just keep bleeding.


#3 What is your motivation to recover?

Um ehrlich zu sein, habe ich dazu keine. Ja, ich habe Dinge, die mich von Zeit zu Zeit abschrecken, es manchmal sein lassen, aber nie die Motivation damit aufzuhören. Vor kurzem hatte ich wieder einen Rückfall, hervorgerufen, wie immer, durch einen vollkommen irrelevanten Auslöser. Aber wie ihr alle es am Besten wisst, sind die Dinge die triggern, niemals rational. Jedenfalls kam ich nach Stunden eingeschlossen voll Blut zurück. Ich wand mich ab, als mir mich der verstörte Blick meines kleiner Bruder striff. Nachdem ich meine Wunden versorgt hatte und zu den anderen trat, lief er mir entgegen, er warf sich in meine Arme und weinte hemmungslos. Er presste sich an mich und flüsterte mit gebrochener Stimme "Ich habe so Angst dich zu verlieren, Isa. Bitte, bitte lass mich nicht alleine!" Er sah mich mit an, mit meinen Augen, Augen die jedoch noch nicht so von Angst, Hass und endlosem Schmerz gezeichnet wurden wie die meinen, und es spiegelte sich blanke Panik darin, Verzweiflung und Sorgen, die in dem Geist eines 8-Jährigen nichts verloren hatten.
Wenn wir uns zerstören, ist es etwas, in dem wir freie Hand haben, zu entscheiden. Verletzen wir damit jedoch auch andere, stampfen ihre Hoffnungen, ihren Willen zu Helfen, die Zuneigung die sie uns Mal für Mal entgegenbringen jedoch einfach zu Boden, so ist das nicht mehr zu dulden. Dazu haben wir kein Recht, egal was wir durchmachen oder durchgemacht haben. Niemals.

Nicht mehr als ein Stück Dreck!

Ich fühle mich schlecht, so hässlich, so verloren. Egal wie, egal wo - nirgends habe ich das Gefühl, etwas zu sein, das es wert wäre, zu leben. Meine Unsicherheit sitzt tief in meiner Magengrube wie ein gefräßiges Biest, das immer, ohne Unterlass, Demütigung speit. Mit schleifendem Gang, tief gebeugtem Körper und trüben, hektisch umher glotzenden Augen, tappe ich wirr umher. Ich suche schon lange nicht mehr nach Erlösung. Lange genug habe ich, geblendet von Naivität, damit meine Zeit vergeudet. Ich hoffe nur noch, dass irgendwann die Pein ein wenig verebbt. Oder meine Seele mit der Zeit immun wird, eine Haut um sich zieht, damit die klaffenden Wunden, die mir die Unsicherheit in den Geist reißt, nicht mehr gar so tief sind.

Freitag, 27. Juli 2012

30 Day Self Harm Challenge #2

#2 What part of your body is most affected by it?


Ich würde sagen, es ist mein linker Unterarm. Er ist über und über mit dicken wulstigen Narben überseht - auf der Ober- wie auch Unterseite. Merkwürdigerweise ist mein rechter Arm verschont. Nicht ein einziger winziger Kratzer - niemals. Wieso, kann ich mir nicht erklären, aber es ist in Ordnung, so ist das Monster in mir momentan wenigstens noch etwas eingeschränkt. Auch meine Oberschenkel sind ein Desaster, vollkommen ruiniert. Aber ich blicke nach vorne, irgendwann kann auch ich aus diesem dreckigen, dunklen Loch kriechen. Hoffentlich..

Donnerstag, 26. Juli 2012

30 Day Self Harm Challenge #1

Nun bin ich dran, ich werde sie auch beginnen und hoffe euch damit ein wenig zur Seite zu stehen, meine Schätze.

#1 How long have you been self harming? Discuss why you started.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, glasklar als wäre es gestern gewesen - 12, vielleicht sogar noch 11 Jahre alt, in meinem Bett gesessen und in die wohlbekannte kalte Leere gestarrt. Irgendetwas war da in mir, das mich so tief aufgewühlt hatte. Ich saß so für Stunden, den Blick auf keinen bestimmten Punkt gerichtet, wie in Trance. Nicht traurig, nicht wütend. Einfach nur tot, dasselbe Nichts, das noch immer in mir herrscht.
Irgendwann stand ich dann auf, trat zu einem Kasten und kramte darin bis meine damals noch so viel winzigeren Hände das eiskalte Metall meines Zirkels ertasteten. Ich zog ihn heraus und huschte zurück in mein Bett. Dort betrachtete ich ihn eine weitere Ewigkeit bis ich seine Spitze plötzlich immer und immer wieder über meinen linken Handrücken schürfte. Kein Blut, nur dünne Fetzen Haut und am nächsten Morgen dicke dunkelrote Striemen an den Stellen in die das dreckige Metall Furchen in meine Haut gezogen hatte. Und hätte ich damals gewusst, wie sehr es sich um mich schlingen würde, seine Klauen auf ewig in mich schlägt, dann hätte ich es vielleicht nicht getan. Nicht meine makellosen schneeweißen Arme entstellt.

So treffen wir uns wieder, Mia.

Ich muss zugeben, dass es in der Zeit, in der ich mich hier nicht gemeldet habe, zwar nicht ruhig war - im Gegenteil - jedoch gab es nichts, das ich in Worte oder verständliche Sätze zu fassen vermocht hätte. Und wirklich, es tut mir leid einige zu lange im Stich gelassen zu haben. Aber jetzt bin ich wieder da.
Auch nun habe ich noch immer keinen Platz gefunden, in den ich passe, verschanze mich im Dunkeln, harre aus, hoffe und bange vor jedem morgendlichen Grauen. Ich starre zu oft in die Leere, die Leere, die auch mich ausfüllt wie schon so lange. Auch kann ich die Schmerzen heute genau so unmöglich handhaben wie vor zig Monaten, unendlich vielen Stunden.
Ich musste wieder Blut sehen, der Gedanke an ein Ende ist noch immer so allgegenwärtig und meine Nahrungsproblematik wurde nun wieder von Mia's liebevollen Brechreizen ergötzt.
Nein, ich habe sie nicht gemisst, überhaupt nicht.
Ich mag es, für mich sein zu können, liebe die Einsamkeit in der ich meine zarte Seele wie ein Neugeborenes in wunderschöner Melancholie in den Schlaf wiege. Und trotzdem windet sich etwas in mir dann und wann nach Nähe, nach Zuneigung. Aber ich will nicht mehr wahllos an mich reißen, mich Gelegenheiten hingeben. Ich kann warten, auch wenn es eine lange, durstige Strecke ist. Ich will nur noch die pure Liebe. Nie wieder Kompromisse, kein einziger.

Montag, 2. Juli 2012

Ich weiß nicht einmal, wieso..

.. aber ich spüre diesen brennenden Schmerz in meiner Brust, wenn du mir sagst wie verliebt du in sie bist. Du hast es mir nie gesagt. Von mir hast du nie geschwärmt. Du erzählst mir noch, dass du soetwas, wie nun für sie, noch nie empfunden hast. Ja, das hast du wohl noch nie, schon gar nicht für mich.
Ich habe Angst vor Morgen, vor der Nadel. Ich hab so Angst vor der Operation, ich wünsche mir so sehr jemanden, mit dem ich über all die Dinge sprechen kann, die vor sich gehen.
Durch dich habe ich meine letzte Freundin verloren. Ich war nie jemand, der viele Leute um sich geschart hatte, ich hatte eine Hand voll Vertrauter.  Und diese wenigen Personen sind fort. Fort weil ich mich nur auf eine fokussiert habe.
Eine, die mich heut Abend nicht in den Arm nehmen wird, die mir nicht sagen wird, es würde alles wieder gut werden.
Ich weiß doch, dass ich nicht so schön bin wie sie! Ich habe nicht ihre Augen, ihre Lippen ihren Körper. Für dich habe ich damals aufgehört zu essen. Ich bin gelaufen bis ich bewusstlos im Graben zusammen gesackt bin.
Ich habe so oft von dir geträumt, habe tausend Bilder von dir in meinem Portfolio.
Trotzdem weiß ich so oft nicht ob ich dich liebe. Ich denke immer nur an dich wenn die Einsamkeit am erdrückendsten ist. Vielleicht bist du nur derjenige, der mir als erster in den Sinn kommt, wenn ich nach Liebe ringe.
Und wenn nicht? Vielleicht.. Vielleicht hat es einen Grund, dich mit jedem zu vergleichen. Rot zu werden, zu stottern, wenn jemand mich auf dich anspricht. An jedem Ort, an dem ich dich je gesehen habe, nach dir ausschau zu halten. Dass mein Herz noch immer tiefer rutscht, wenn dein Name auf meinem Display aufflackert.
Ich vermisse dich, deine Stimme. Ich will bei dir sein. Noch einmal.
Ich möchte einmal, dass du mir sagst, wieso du mich so ablehnst.
Es bringt mich um den Verstand, nicht zu wissen, wieso ich nicht gut genug bin..
Wir kennen uns schon so lange, hast du nicht gesehen, wie ich neben dir immer tiefer gefallen bin? Mich immer mehr in mich gekehrt habe? Jeden Tag mehr gestorben bin?
Ich habe Angst vor jedem Tag, vor der Zukunft.
Ich vermisse dich. Aber du merkst es nicht einmal.