Dienstag, 1. Mai 2012

Es ist, als wäre es meine Bestimmung..

.. meine Lebensaufgabe. Ich vermisse es so sehr, es schmerzt mehr als jegliche Trauer, die ich je empfinden konnte, als ein geliebter Mensch aus meinem Leben geglitten ist. Ich winde mich so oft rastlos umher, sehne mich. Ich laufe im Kreis, versuche alles um mich abzulenken. Ich sitze im Dunkeln und streiche an meinen Armen, meinen Beinen entlang. Fange an mich in mein Fleisch zu krallen, schlage gegen die Wand und schlinge die Hände um meine Kehle. Ich weine, reiße meinen Mund auf, so weit ich kann, um dann stumm loszubrüllen, drücke meinen Kopf in den Polster, spanne meinen ganzen Körper und schlage dann mit Beinen und Armen um mich. Das Verlangen ist so groß, größer als ich je nach etwas begiert habe, größer als mein Hunger je war.
Ich will mich hiermit beweisen, ich will es nicht nur mir selbst, ich will es vor allem allen anderen, im insbesonderen ihr zeigen. Sie alle sehen lassen, wie weit ich gehen kann, wie stark ich bin. Dass ich hier nicht so wie sie nur simuliere, dass es mir schlechter geht, als allen hier zusammen. Dass sich in mir Dinge abspielen, die wahrscheinlich keiner von ihnen auch nur im Geringsten zu begreifen vermögen würde.
Ich würde schneiden, tiefer als jeder andere zuvor. Meinen Arm spalten, so wie es zu sein hat. In dem Moment verharren, an dem das blanke, erstarrte Fleisch mir entgegen blickt. Der Augenblick, in dem mein Körper aus purer Überraschung nicht zu reagieren vermag. Die Sekunden, in denen ich nur das perfekt weiße Gewebe und die durchtrennten Venen blitzen sehe.
Dann rappelt sich meinen erdgebundenes Ich wieder auf und meine ganze Hand beginnt zu pulsieren. Blut wabert mir entgegen, quillt aus dem klaffenden Loch, läuft in purpurnen Bächen an mir herab und ergießt sich auf dem Boden unter mir. Ein Lächeln huscht über meine Lippen, verfliegt dann aber sofort wieder. Ich nehme ein Tuch, drücke es gegen meine Hand und sehe zu, wie es sich über und über vollsaugt. Dann hebe ich es an, um einen zweiten Blick auf mein Werk zu werfen.
Ich stehe auf, schnappe mir Mullbinden und Peha-Haft, lege es auf, wische eine einsame Träne aus meinem Augenwinkel und schlüpfe wieder unter meine Maskerade - jedoch erfüllt mit ein wenig Zufriedenheit.

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