Donnerstag, 3. Mai 2012

Es war doch kein guter Tag..





.. Meine Befürchtungen haben sich um ein weiteres Mal als gerechtfertigt bewiesen. All der Druck, der sich durch die vielen Probleme, Abweisungen und Schulstress aufgetürmt hat, ist heute plötzlich durch sein steinernes Gefängnis gebrochen. Wie in Trance bin hab ich das Messer eingesteckt und mich in der Toilette eingeschlossen. Ich habe lange gebraucht, um zu realisieren, was ich eigentlich vor habe. Erst ein feiner Ritzer. Blut. Die Klinge ist wirklich so scharf. Dann noch einer - fester. Rot quillt es aus meinem Handgelenk. Ich starre hindurch, drücke Taschentücher darauf, sehe zu wie sie sich an dem purpurnen Fluss laben. Warte wieder darauf, dass es dunkel aus dem Loch quillt, um dann wieder Tücher darauf zu pressen. Mein Atem geht schneller. Ich hebe das Messer. - es ist so scharf - Führe es an meinen Arm. - so scharf - Presse es gegen meine Haut. - ich habe die Kontrolle - Halte inne, hebe es wieder hoch und hole noch einmal Luft. - gib mir Freiheit - Ich drücke die Spitze in meinen Arm. - lass mich sterben - Schiebe mit meiner ganzen Kraft die Klinge durch mein Fleisch. - um dann wieder aufzuerstehen zu lassen - Ich spüre wie ich langsam Faser für Faser durchtrenne. - blühend, voll von neuem Leben - Ich öffne meine Augen und blicke auf mein Werk.
Wie ein ekelhaftes Maul klafft mir ein monströses Loch entgegen. Gewebe quillt heraus. Glotzt mich an wie ein fremdartiges Wesen. Alles dreht sich. Auf einmal laufen rote Bäche an meiner Hand herab, tropfen auf den Boden.
Ich taumle los. - ES WAR ZU VIEL! - Mir wird übel. - DAS WOLLTE ICH NICHT! - Ich reiße die Tür zu meiner Klasse auf und stottere mit gebrochener Stimme 'Nathalie, bitte komm..' Sie sieht mich mit weit aufgerissenen Augen an. Ich sehe das blanke Entsetzen über ihr Gesicht huschen. - tropf, tropf -
Der Boden unter mir trägt meinen roten Namen.

Im Endeffekt habe ich wieder alle enttäuscht, habe all meine Vorsätze gebrochen, werde nun lang genug von den abfälligen Blicken meiner Klassenkameraden verfolgt, bin wieder am Anfang angekommen.

Ich musste ins Krankenhaus nähen fahren. Es war ein Albtraum, meine Wunden derartig offen, vor so vielen Fremden, zu zeigen. Nun kann ich wieder mit Verband herumgehen. Wenn schon, dann hätte ich meine Wunde so gern von selbst verheilen gelassen. Ich fühle so ein unglaubliches Verlangen danach, mir alle Nähte aus dem Fleisch zu reißen. Ich will die Narbe - etwas das mich verdammt nochmal an meine Dummheit erinnert! - endlich einen Weg, der mich abhält!

Obwohl ich selbst weiß, dass dies hier nur wieder meinen unstillbaren Durst nach Blut entfacht hat. Meinem Blut..



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